Flexibilität

Banken können heute selber Geld schöpfen. Vollgeld-Kritiker nennen das Flexibilität. Doch: wo ist das heutige Geldschöpfungs-System eigentlich un-flexibel?

Antwort: Es konzentriert sich paradoxerweise auf Bereiche, wo auch mehr Geld zu holen ist. Überspitzt gesagt: mehr Geld entsteht da wo noch mehr zu holen ist.

Keiner bestreitet, dass diese Geldschöpfung Blasen verschlimmert. Also wollen wir alle mehr Stabilität.

Flexibilität…Stabilität…na, dämmert’s?

Man muss sich also fragen: Flexibilität WOVON? Das jetzige Wirtschaftssystem ist sehr Stabil, wenn es darum geht, Profite zu privatisieren, und Kosten auf uns zu schieben (‚externalisieren‘). Daran hat die Krise nichts geändert – im Gegenteil: das Bailout ist ihr wesentliches Merkmal, und je nachdem wem man glaubt war das eine riesige Umverteilung nach oben!

Dagegen ist die Vollgeld-Reform kein Zaubermittel, doch es gibt Befürworter, die sie für einen Schritt in die richtige Richtung halten. Unser Artikel Kreditklemme liefert eine Übersicht darüber, wie man eine gewisse Flexibilität im Vollgeld-System erhalten könnte, wo sie wünschenswert ist.

Doch wir sind hier in der Kontra-Rubrik!
Darum fragen wir lieber:

Inwiefern besteht heute eine erhaltenswerte Flexibilität im System?

Um die abstrakte Finanzwelt verständlich zu machen, bedient man sich gerne in der Natur.* Immobilienmakler sind ‚Haie‘, Investment-Banker ‚Vampirkraken‘. Ist da ‚was dran? Und ist es überhaupt schlimm? Immerhin erfüllen Haie eine wichtige Rolle in unserem sensiblen Öko-System. Sie existieren seit hunderten Millionen von Jahren! Wenn es gewiefte Immobilien-Dealer auch so lange gibt, können wir weiter reden… Und eine Vampirkrake (ja, die gibt’s wirklich!) ernährt sich von toter Materie, die sonst nutzlos im Meer rumliegt. Was beide aber nicht tun, ist so etwas wie Geld aus dem Nichts schöpfen. Es gibt nichts Vergleichbares; sie müssen für ihr ‚Geld‘ arbeiten.

Viel angebrachter wäre die fiktionale Familie Barbapapa. Eine Fachzeitschrift über Erziehung lobt sie explizit für ihre ‚Flexibilität‘. Nachdem Barbapapa aus einem Loch im Boden heraus gekrochen ist, kann ihn keiner so recht leiden, bis er sich nützlich macht: Er rettet die Menschen aus einem brennenden Haus, indem er sich in eine grosse Treppe verwandelt. Ganz ähnlich seine Frau Barbamama: Sie kann zum Bagger werden, und einen Elch retten, der im Sumpf feststeckt.

Das ist echte, lobenswerte Flexibilität, sogar mit vorübergehenden WACHSTUM. So würden die Befürworter unsere jetzige Geldschöpfung gerne sehen: man kann, für gute Zwecke an Ort und Stelle etwas mehr Grösse erzeugen. Sprich Geld oder passend für die Episode „Elchtest“ Hebelkraft (‚Leverage‘).

Zentrale Frage für die Vollgeld-Reform: wie wollen diese neue Grösse erzeugen? Sollen wir das den Banken überlassen (zu ihren Bedingungen), oder werden sich gemäss der menschlichen Natur die Investoren mit existierendem Geld schon finden?

Ist die Flexibilität, die wir heute bezüglich Geldschöpfung haben, auch gut?
Ist sie ein guter Barbapapa?

(*p.s. Die Natur ist auch eine gute Referenz für Systeme, wo sich Stabilität und Flexibilität in Balance halten.)

pps die geneigte Leserin findet auch ein Barbapa-Mässiges Geld in der BGW, siehe Forum. Meinungen sind wilkommen, denn darum geht’s: Geld von Bürgern!

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