NZZ 2

NZZ Debatte (hier klicken)

Gastkommentar Binswanger (hier klicken)
„Die heutige Geldordnung ist aus den Fugen geraten, weil die Zentralbanken die Kontrolle über die Geldmenge verloren haben. (…)
die Gesetzgebung [muss] so ergänzt werden, dass diese Fähigkeit wiederhergestellt wird.“
[Anm vollgeldspiegel mk: Prof. Dr. Binswanger war bis vor kurzem im wissenschaftlichen Beirat von MoMo.]

Gegenmeinung Baltensperger/Neusser (hier klicken)
„Das Geldschöpfungspotenzial der Banken würde damit praktisch beseitigt. Chicago-Plan und Vollgeld-Reform wollen so der Zentralbank die volle Kontrolle über die Geldschöpfung gewähren. Die umlaufende Geldmenge bliebe unabhängig von ihrer Zusammensetzung zwischen Noten und Sichtdepositen [= Giralgeld]. Die Depositenbanken würden sich darauf beschränken, das von der Zentralbank geschaffene Geld zu «verwalten» und den Zahlungsverkehr zu organisieren. Zugleich erhielten Bankdepositen die gleiche Sicherheit wie Zentralbankgeld.
…nie ernsthaft analysiert*…
…grosse Skepsis angebracht….
Niemand ist [heute] gezwungen, Bankengeld zu halten. Es lässt sich jederzeit in Zentralbankgeld umtauschen.“
[Nahezu irrelevante Behauptung. Ob sie überhaupt stimmt, kann jeder für sich selbst überprüfen. Lohn in Bar erhalten. Steuern?! -Anm. vollgeldspiegel mk]

[Als „Gegenargument“ wird weiter im Text ein theoretisches Szenario erläutert, von 100%-Geld (nicht Vollgeld) innerhalb° des heutigen Systems. Dann im gleichen Abschnitt Switch zurück zu Vollgeld. Beachtliche Geistes-Gymnastik! -mk]

„Es wäre allerdings schwierig, dem Markt zu verbieten, nach neuen Substituten [sprich: Parallelwährungen] zu suchen. Im Zeitalter moderner Kommunikationstechnologien wären entsprechende Umgehungsinnovationen sehr wahrscheinlich.“
[Zeigt, dass die beiden Herren nicht nur keine systematische Aufbereitung präsentieren, sondern auch schlecht recherchiert haben. Vollgeld-Befürworter sind i.d.R. ausdrücklich für alternative Währungen. Es gibt also nichts zu „verbieten“! Dass wir am Schluss immer in CHF Steuern zahlen, haben die beiden Ökonomen schlicht übersehen.
Weiter im Text ist dann von „Scheinproblem“ die Rede. Projektion? -mk]

„Moderne Zentralbanken verfügen über genügend Instrumente, die Geldvergabe der Banken zu begrenzen, sofern sie dies nur wollen. (…)
[Indirekte Kontrolle durch Zentralbank] hat sich nie als schwerwiegendes Problem erwiesen.
[Gefahr durch Monopols-Missbrauch.]
[Die Reform ist naiv, überschätzt die jetzigen Gewinne der Banken, unterschätzt die Kosten** danach…] “

[dann wird ein Szenario völlig aus der Luft gegriffen, in dem die Zentralbank Banken deswegen vielleicht subventionieren müsste – was dem Geiste der Vollgeld-Reform fundamental widerspricht! -mk]

„Bei einem so massiven Eingriff ist grosse Vorsicht am Platz.“

** Wohlgemerkt innerhalb des theoretischen Bilds, „zweier getrennter Institutionen“, von dem die beiden Ökonomen ausgehen. Sie übersehen die realistischere Variante, in der Banken (wie heute Handy-Anbieter) Dienstleistungen verbinden, um Synergien zu nutzen.

Das Argument „homogen/Geldmengen“ fällt in die Sparte „System verteidigen, indem man es beschreibt“, siehe Einfachheit.

Fazit: Baltensperger/Neusser machen ein Mischmasch aus Vollgeld, 100%-Geld, und wenig-begründeten Szenarien.
Nicht nur bei der Vollgeld-Reform ist „grosse Vorsicht am Platz“, sondern auch bei diesem Artikel!

* Frage: Ist eine 70-seitige IWF-Analyse nicht ernsthaft? Diese beiden Herren ziehen nicht nur unklare Grenzen zwischen Vollgeld und 100%-Geld, sondern sind auch sehr subjektiv!
Mehr zum Thema 100%-Geld/Chicago Plan, hier klicken.

updated 3.2.2014 19h

Nachträge 4.2.

Eine ähnliche Analyse zum Vollgeld ist uns nicht bekannt.

° Reine Rhetorik, dass die Autoren hier von Teil-Einführung einer 100%-Deckung reden. Dennoch, bei Interesse: Positive Money diskutiert die Teil-Einführung von etwas Vollgeld-Ähnlichem, siehe Ben Dyson’s Artikel (Englisch). ‚Vollgeld‘ wird normalerweise als ‚Sovereign Money‘ oder ‚Plain Money‘ übersetzt, ist aber in diesem Fall eher ‚modernising money‘.
-mk

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3 Antworten zu NZZ 2

  1. minglingmike schreibt:

    „Chicago-Plan [will für die] Zentralbank die volle Kontrolle über die Geldschöpfung“ ist auch falsch. Frage: wie bringt im Chicago Plan (100%-Geld) die Zentralbank Geld in Umlauf (ohne QE), wenn die Banken keines wollen? Ist das Kontrolle?

  2. Anonymous schreibt:

    Zum hier hauptsächlich besprochenen zweiten Artikel sollte man fairerweise noch anmerken: der Titel ist gut, der erste Abschnitt perfekt.
    Zweiter Abschnitt wäre auch gut, wenn man statt „entwickelt“ z.B. „vorbereitet“ schreiben würde.
    An dieser Stelle noch der Hinweis, dass Fischer sich auch für Wörgl interessierte, siehe z.B. http://mediengraben.ch/2013/09/zusammenfassung-des-wunders-von-woergl/

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