Mit Vollgeld gegen Finanzkrisen

Das Wirtschaftssystem umkrempeln

http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/das-wirtschaftssystem-umkrempeln-1.18215157

Zum „Zusatzartikel“:
1.) Bringt die Nationalbank (SNB) keine Noten und Münzen in Umlauf. Sie lässt diese herstellen, und liefert sie auf Bestellung an Geschäftsbanken, z.B. wenn da mehr Bargeld abgehoben als deponiert wurde.*

2.) Impliziert die NZZ, die Nationalbank steuere die Geldbasis, und die Geschäftsbanken würden danach (wenn überhaupt) diese per Kreditvergabe multiplizieren. In Wahrheit geschieht es aber anders herum.
(Ausnahme: Quantitative Lockerung, Finanzprodukte kaufen, Geld „drucken“ für den Mindestkurs, usw.)

3.) „bis zu einem gewissen Grad“ ist besonders irreführend, denn die Geldmenge ist de facto NICHT BESCHRÄNKT (auch bei einem erhöhten Leitzins.)

Zum Artikel:
Das Einfache zuerst. Joseph Huber ist kein „Ökonomieprofessor“, sondern emeritierter Professor für Wirtschafts- und Umweltsoziologie.
Ausserdem ist „geistiger Vater“ leicht übertrieben. Er hat wohl sehr viel dafür gearbeitet, und kam auch auf den Namen Vollgeld, siehe timeline. Doch laut der Website von immr reichen die Ideen hinter Vollgeld (Engl. Sovereign Money oder Plain Money) weiter zurück, zu Fischer, Knight und Soddy.
Wenn man schon den Beitrag von Huber betonen wollte, dürfen vier Worte sicher nicht fehlen (auch wenn ein Credit Suisse Banner über dem Artikel blinkt): ‚too big to fail‘. Das ist laut MoMo nämlich einer der Vorteile von Vollgeld. Gemäss Tagesschau (Herbst 2013) droht ‚too big to fail‘ noch immer! Vollgeld löst das.

Haben Weber/Meier wirklich gesagt „Die letzte Finanzkrise liege erst fünf Jahre zurück“? Oder ging es um den Auslöser?

„Zu Fehlallokationen und Ineffizienzen komme es nicht bei einer zentralen Steuerung [etc.]“ Vollgeld ist kein Allheilmittel. Es ist sehr wohl möglich, dass eine Bank auch nach der Vollgeld-Reform einen schlechten Kreditentscheid fällt.
Ausserdem ist eine Festlegung der Geldmenge durch SNB/Monetative nicht gleich „zentrale[r] Steuerung“. Wenn man sagt, wie breit die Autobahn sein darf, heisst das noch lange nicht, dass man die Autos auch steuert.

===

* Das Geld, welches die Noten und Münzen später repräsentieren, wurde zuvor schon als Giralgeld erschaffen. Es hat nur seine Form geändert. Wenn das für Sie „Inumlaufbringung“ ist, bitte. Wenn ein Kellner etwas auftischt, das nicht bestellt wurde, ist es dann in Umlauf gebracht? Liebe NZZ: Wenn ich mein Abo kündige, druckt Ihr trotzdem meine Zeitung mit?
(Durch Drucken allein gehört das Geld nicht einmal zur Geldmenge, siehe Is SNB lying?)

Übrigens kann man der NZZ für diese Fehler nicht einmal richtig böse sein. Sie schreibt auch nur ab. Siehe Glossar-Gate!

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Eine Antwort zu Mit Vollgeld gegen Finanzkrisen

  1. Anonymous schreibt:

    Auszüge aus der Diskussion im NZZ Forum

    Michael K
    Vollgeld und Grundeinkommen seien inhaltlich verschieden aber beide radikal.
    1.) Wenn man Geld nicht mehr nur durch Schulden in Umlauf bringt, muss man sich fragen “Wie sonst?” Ein kleiner Teil des Grundeinkommens ist damit schon erledigt!*
    2.) Ist es radikal, zu hinterfragen ob Geld Schuld sein muss?
    3.) Sind die Menschenrechte radikal?
    * Siehe z.B. das Buch Sovereign Money, als PDF bei Positive Money zu finden.

    Konrad S
    Ich war perplex, als ich erkannte, dass die InitiatInnen der Vollgeld-Initiative im Grund Recht haben: Vereinfacht gesagt erhalten unsere Banken von der Nationalbank eine Lizenz zum Geld Drucken (oder so ähnlich). Als Laie dachte ich immer, [Banken verleihen nur existierendes Geld]

    Georges M
    Nicht das Schuldenmachen ist das Problem, sondern die Schuldenakkumulation (immer mehr Schulden ohne je zu tilgen). Kein Privater bekommt auf Dauer Kredit ohne zu tilgen, nur der Staat kann dies, kraft seiner Zwangsmacht. (…)
    Man soll das « Geldsystem » nicht den Banken überlassen, sondern dem Markt: Schuldner und Gläubiger. (…)
    Das Problem ist also ein allgemeiner Liquiditätsmangel und eine Einschränkung der Kreditvergabe würde dieses Problem massiv verschärfen. Wir befinden uns ohnehin am Rande des Abgrunds und solche Vorschläge sind einfach schlicht unverantwortlich.
    (…)
    Das ist ja das Wunderbare am Kapitalismus: Ein Schuldpapier ist dann Geld, wenn es als Zahlungsmittel angenommen wird, Punkt.
    [MK-Antwort zum letzten Auszug:]
    Als Bürger lehne ich ab, dass ein Anderer Schulden haben muss, nur damit ich ein universelles Tauschmittel nutzen kann. Wenn das die Mehrheit der Schweizer so sieht, dann probieren wir’s!
    Das ist das Wunderbare an der Demokratie.

    Diverse
    Angstreaktionen
    1.) Sozialismus pur! 2.) Kommunismus! 3.) Ihr wollt ja alle Banken verstaatlichen!
    Ende des Abendlandes, weiche Satan!
    [MK dazu:]
    Unbegründet, da
    1.) Auch nach Einführung von Vollgeld, kann das System so asozial sein, wie wir wollen.
    2.) Weder Enteignungen (schon gar nicht die „kalte“ Enteignung wie heute), noch Planwirtschaft.
    3.) Nein, „nur“ die Geldschöpfung. Ewald K: „Wenn nur die öffentliche Hand (Bund, Kantone und Gemeinden) Strassen baut, muss sie nicht automatisch Speditionen betreiben und verstaatlicht auch das Transportgewerbe nicht.“

    Larry K
    Besser wäre die Trennung der Banken in kommerzielle (Darlehen, Hypotheken, Spareinlagen und dgl.) und investment-Banken (Handel mit Wertpapieren, Corporate Finance), wie dies in USA nach der grossen Depression bis in die 1990er der Fall war (Glass-Steagall Act) – unter Clinton auf Empfehlung von Greenspan leider abgeschafft. Dieses System hat sechzig Jahre lang in USA gut funktioniert (…).

    Diverse
    Beeindruckend viele Forderungen nach alternativen Währungen, teils von Bürgern geschöpft, teils im Stille von Flugmeilen oder Kumulus/Superpunkten. Es fehlt auch nicht der wichtige einwand, dass man damit (noch?) keine Steuern zahlen kann.

    Ewald K
    Im Mittelalter prägten Fürsten ihre eigenen Münzen, im 19. Jahrhundert druckten private Banken eigene Banknoten, deshalb wurde die Nationalbank gegründet um das Durcheinander der verschiedenen Banknoten zu beenden.
    Buchgeld gab es damals nur in sehr geringen Umfang. Heute sind wir aber wieder in einer Situation fast wie im Mittelalter. Private Banken bringen auf CHF lautende Kontoguthaben in Umlauf analog zu den Münzen der Fürsten. Da dies alle Banken in etwa dem gleichen Volumen machen, gleichen sich die Zahlungsflüsse zwischen den Banken mehr oder weniger aus.
    Wollen wir diese neofeudalen Zustände noch länger behalten?
    Was ist die Begründung für dieses Privileg privater Banken?

    Friedrich
    Vollgeld kann letztlich auch nur eine kosmetische Operation an unserem Geldsystem sein. Das Grundübel unseres Geldsystems ist doch Geld = Schuld. Geld erhält man durch Kreditgewährung, wobei die Kreditsumme ausgezahlt wird, aber nicht die Zinsen. Somit ist immer zu wenig Geld im System und egal ob Aufschwung oder nicht, man muss Geld nachschieben, um die Zinszahlung zu ermöglichen. Das führt aber wegen des Zinseszins- Effektes zu einem exponentiellen Geldmengen- oder Schuldenwachstum. (…) Schulden ad Infinitum. Diese Problem wird auch durch Vollgeld nicht beseitigt, bestenfalls gemildert.

    Sascha
    Es geht nicht darum, das Wirtschaftssystem umzukrempeln, sondern darum, Grundfragen offen zu debattieren, die zu lange in gedanklicher Untransparenz verbleiben durften und durch praktische Anwendung die Gesellschaft in unnötige Spannung versetzten. Neue Strategien sind nötig zur langfristigen Anwendung – nicht hochgerechnete Taktik, die oft als Strategie hingestellt wird, aber Ratlosigkeit dokumentiert. Es braucht stets Strategie und Taktik parallel. Jede Taktik ist aber nur so gut wie die zugrunde gelegte Strategie. Der Unterschied liegt der in der Art der Abstützung: Strategie muss sich auf universelle Gesetzmässigkeiten abstützen, während Taktik eine Anwendung der Strategie unter gegebenen Bedingungen ist. Es ist möglich, eine Strategie nur auf Glaubenssätze abzustützen. Das ist heute oft der Fall, denn das Denken in universellen Eigengesetzlichkeiten ist nicht weit verbreitet. Mythen wirken attraktiver.

    Christoph P
    [Das ganz grosse Problem der Kreditgeldschöpfung hat die NZZ ausgeklammert]: Wenn neues Geld nur über Kredite der Banken in Umlauf kommt (…) woher kommt dann das Geld für Zins und Zinseszins? Durch neue Kredite natürlich (…). Wenn die Realwirtschaft das dafür nötige Wachstum (…) nicht mehr hergibt – seit einigen Jahren zunehmend der Fall –, wandert das immer billigere Neugeld in die Finanzwirtschaft, wo sich leicht virtuelle Gewinne realisieren lassen. Mehr Geld bedeutet höhere Preise für Anlagegüter – die Investoren fühlen sich reicher. An der Realwirtschaft ändert sich wenig, ausser dass sie dem Profitdruck der Finanzwirtschaft immer weniger standhalten kann – ein Teufelskreis. Der grosse österreichische Nationalökonom Ludwig von Mises schrieb denn auch: «Es gibt kein Mittel, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der auf der Kreditausweitung beruht. Die [Frage] ist nur, ob die Krise früher durch eine freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion eintritt oder später als finale und totale Katastrophe des betreffenden Währungssystems.» Das Vollgeld ist DIE Alternative zu dieser Katastrophe.

    Und mein persönlicher Liebling,
    Gion S
    Der Kapitalismus basiert auf der Prämisse[, dass] der freie Markt die beste Methode ist um Resourcen optimal zu verteilen. Weshalb ist dann das Drucken von Geld ein Monopol der Nationalbank[, und das Schöpfen von Kreditgeld ein Oligopol von ein paar Wenigen, die illegitimerweise behaupten können, sie seien „systemrelevant“?] Wieviele neue Banken sind in der CH in den letzten 50 Jahren gegründet worden? Wieviele schlecht geführte Banken gingen in den letzten 50 Jahren bankrott? Ist [das] überhaupt noch ein freier Markt? (…)
    Wenn die Produktion von Geld und die Verteilung von Krediten eine für die Nation elementare Dienstleistung ist[, wird diese Aufgabe nicht vom Staat vorgenommen?] (…)
    Eine Vollgeldreform würde die Macht der Banken beschränken und sie wieder in die [Hände] der Bürger legen, kein Wunder wollen das die Banker nicht.

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