BIZ

In Deutschland tobt ein Grabenkrieg über die Peanuts eines harmlosen Wullfs, während der böse Wolf gar nicht erst öffentlich zur Sprache kommt: das System an sich. Setzt man den Hebel richtig an*, kann man das sehr gut ändern, durch das Volk und für das Volk.

Das jetzige System aus Schuldengeld von Privaten und für Zinsen ist ein wackliger Turm. Nicht so der Turm zu Babel, pardon: BASEL, die BIZ, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Die bleibt stehen, obwohl ihr ursprünglicher Zweck erledigt ist: Reparationszahlungen des ersten Weltkriegs.** Heute dient die BIZ hauptsächlich als Treffpunkt für Zentralbanker.

Hier wurden auch die Details der Basler Verträge ausgeknobelt: ein unverbindliches Regelwerk, welches aber auf Grund der impliziten Macht der BIZ von den einzelnen Ländern gewissenhaft umgesetzt wird. Quasi das Gegenteil von Kyoto also.

Nicht unangenehm: ein exklusiver Verein, jenseits jeglicher Kontrolle durch den Pöbel. Keine Steuern zahlen, Führungsriege sogar Gesetzes-immun, wie Diplomaten. Im Gegensatz zu IWF und Weltbank ist die BIZ gewinn-orientiert.*** Und obwohl dieser Gewinn aus der Arbeit mit Kunden-Geldern kommt, kann man ihn wie in der Branche üblich den Kunden vorenthalten.

Für die Zentralbanker ist es schön, sich unter Gleichgesinnten treffen zu können, ohne dass jedes Wort auf die Goldwaage kommt. Englischer Ex-Zentralbanker Mervyn King empfand die Treffen als wohltuend. Doch er war auch derjenige, der laut Positive Money sagte: „Von allen möglichen Arten, das Bankengeschäft zu organisieren, ist die Heutige die Allerschlechteste.“

Zentralbanken sollen ihren Auftrag vom Volk erhalten, ohne Ratespielchen in einem undurchsichtigen internationalen Mischmasch aus privaten und öffentlichen Interessen! …wo die Insider traditionell im Vorteil sind.

Beispiel: Asienkrise. An der BIZ wusste man Bescheid, konnte aber doch nichts tun. (Ausser vielleicht spekulieren, und am Absturz mitverdienen?)

Beispiel Euro-Crash:
UBS-Chefökonom Daniel Kalt vermutete im September 2012 öffentlich, man habe das ganze Leid der Euro-Krise bewusst in Kauf genommen, um die politische Vereinheitlichung Europas über die Köpfe der Menschen hinweg voranzutreiben.° Jetzt kommt diese ‚alternativlos‘ via Schuldenunion. In den heil’gen Hallen der BIZ war man laut Lamfalussy schon lange vorher im Bilde.°° Wären die BIZ-Treffen weniger verschwörerisch, hätten die dummen Finanzminister°°° vielleicht früher reagieren können. Andererseits wollte auch keiner hören, als Oskar Lafontaine bereits 1998 öffentlich vor einem Euro ohne Fiskalunion warnte.

Soviel zur BIZ und verschütteter Milch. Jetzt sind positive Lösungen wichtig. Banditen wird es immer geben, die Frage ist: wer ist besser organisiert – sie oder das Volk. Machen wir unsere Hausaufgaben, ohne allzu viel Ablenkung von den Wullf-Shows!

Was die BIZ, betrifft: die hat sich schon einmal neu erfunden, und auch ein Vollgeld-System lässt Raum für Menschen, die sich gerne auf Volkes Kosten ein edles Tröpfchen gönnen.

Wer anderen etwas vorausgedacht
wird jahrelang erst ausgelacht.
Begreift man die Entdeckung endlich
so nennt sie jeder selbstverständlich.
Wilhelm Busch

* Bei Geldschöpfung (siehe Vollgeld) und Banken-Trennung (kurz und lang).

** Je nach Quelle hat sich das 1932 bereits erledigt, oder erst 2010. Wie auch immer: vorbei ist vorbei!

*** IWF vergibt Kredite, an Reformen geknüpft. Die Weltbank ist nicht profit-orientiert. Es entsteht aber sehr wohl eine Gewinn-Maschine: Reformen im Sinne der Weltkonzerne, Weltbank-Kredite durch Mega-Bau postwendend zurück an die Geber-Länder (adaptiert von John Perkins, Economic Hitman: die Weltbank kann tausend mal eine Milliarde ausgeben, aber nicht eine Milliarde mal Tausend). Link zu Vollgeld: wenn diese Länder eine eigene Währung hätten, die nicht durch Schulden von Weltkonzernen erschaffen wird, wäre das ein viel effektiverer Weg aus dem Teufelskreis. Wenn Mali sich sein Gold nur noch in Mali-Coins bezahlen liesse, und Congo sein Coltan…Schulden-sei-Dank sind diese Fragen aber noch irrelevant.

° „Das isch letztlich d’Vision gsi vo den europäische Politiker: die grosse Vereinigte Staate von Europa z’gründe mit vereinheitlichte Fiskalpolitik. Ich glaube me isch sich bewusst gsi, wo me dr Euro ihgführ’t het und Fiskalpolitik uf nationaler Ebeni g’lo het, dass das System unter Umstände nid funktioniert. Aber me hät dr Schritt bewusst gmacht und in Kauf g’no, dass es z’erscht e tüüfi Krise brucht bis me denn dä Integrationsschritt unter dem Druck vo dr Krise allefalls könnt mache. Und do sin mir jetzt mittedrin.“ SRF Arena

°° Tower of Basel

°°° Ebenda. – Und für Leser, die Prophezeihungen mögen: Loriot 1986!

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2 Antworten zu BIZ

  1. goodshow schreibt:

    Text sehr suggestiv. Nicht direkt üble Nachrede, aber durch die Reihenfolge diverser Abschnitte (in denen nicht ganz klar ist, über wen im Moment grad geschrieben wird: BIZ, Zentralbanker, Banker = Geld-Schöpfer, oder gemeine Kriminelle) entsteht der Eindruck, der Autor hätte etwas gegen die BIZ. Zumindest am Anfang sollte klar sein: das SYSTEM an sich ist das Problem, nicht einzelne Institutionen oder Personen. Fraktionales Reservesystem mit privater Geldschöpfung à discrétion. Frühere Version dieses Textes im Forum-Teil vollgeldspiegel.wordpress.com/forum/ hatte einen klaren Disclaimer: Die Mitarbeiter selber sind Menschen wie Du und ich!

  2. Pingback: 100 Jahre Fed | Himmelstor

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