Einfachheit

Das Schönste an der Vollgeld-Idee ist Ihre Einfachheit.

Eigentlich funktioniert das Geld dann einfach so, wie wir uns das heute sowieso schon vorstellen:
– Banken verleihen nur Geld, das schon da ist.
– Unser Geld ist bar gleichviel wert wie online.
– Greift eine Bank ins Klo, haftet sie selber.

Vollgeld lässt viele Fehler des heutigen Systems unberührt – und das ist das Schöne daran: es ist mehrheitsfähig!

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In diese Kategorie „Einfachheit“ fallen auch einzelne Gegenstimmen. Sie haben teils legitime Bedenken, mit denen man sich befassen sollte, diskutieren aber andernorts am Punkt vorbei. Beispiele:

1.) Das jetzige System verteidigen, in dem man es beschreibt.
Siehe z.B. meinparlament.at 1.8.2011
und z.T. Bundesrat-Antworten an die Herren Reimann und Müller (siehe Interpellationen, Verknüpfungen zuunterst.)
(Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob es auf der Titanic Menschen gab, die das Volk beschwichtigen wollten, in dem sie erklärten: „Ja, wissen Sie denn nicht, dass ein Achtel des Eisbergs versteckt ist?“)

In diese Kategorie gehört auch das zirkuläre Argument „Geld muss Schuld sein, weil Geld Schuld ist.“
(Da wird klugerweise oft angefügt, dass Geld immer Schuld ist, im weiteren Sinne, da es einem realen Wert entsprechen muss. Dummerweise lässt man oft aus, dass VGR diesen Aspekt nicht ändert.)

2.) Es ist ein „Angriff“, wenn man die Wahrheit sagt.
Hier oben steht „wie wir uns das heute sowieso schon vorstellen“ – da gibt es ein kleines Problem. Geld sitzt tief in uns drin, und jeder hat so seine eigenen Vorstellungen (siehe auch Del Mar 1895).
Schlicht: wir stehen vor einer Herausforderung.
(Nebenbei gefragt, und da wir schon im Kontext „Finanz-Krise“ sind: Wussten Sie, dass das Chinesische Schriftzeichen für Krise zusammengesetzt ist aus „Gefahr“ und „Gelegenheit“?)
Jemand, der zum ersten Mal von der privaten Geldschöpfung erfährt, fühlt sich vielleicht verunsichert, und darum defensiv.
Jemand, der schon lange im jetzigen System arbeitet, hat das Gefühl, die Kritiker verstehen einfach das System nicht (siehe oben, Punkt 1.)
Gut wäre, wenn jeder für sich das kurze Dokument „Wie Banken (nicht) funktionieren“ durcharbeiten könnte. Der Inhalt ist unwiderlegt, und es hat den Vorteil, jeden dort abzuholen, wo er grad ist. So können wir gemeinsam intelligenter darüber diskutieren, wie wir unser demokratisches System gestalten wollen.

3.) „VGR ist nicht VGR ist nicht was ich will!“
Jemand, der das jetzige System anders verbessern möchte, sieht VGR vielleicht als Bedrohung.
Zwei extreme Beispiele, basierend auf den ersten Wortmeldungen von Gästen in diesem Blog:
Free-Banking Fraktion: Sieht die Ausgangslage nahezu identisch, möchte aber eine Lösung durch Aufhebung des Staates, z.T. mit (Zwischenschritt) Rückkehr zur Golddeckung.
Extreme Linke: Man hatte VGR vielleicht anfänglich unangebracht idealisiert, und ist bei genauem Hinsehen desillusioniert. (Desillusionieren = man verliert seine Illusionen.) Fakt ist, VGR ist im Klassenkampf relativ neutral. Sie beseitigt schon eine wichtige Ursache, lässt aber Symptome korrekterweise unangetastet. Siehe oben „mehrheitsfähig“.
Es mag über Vieles Uneinigkeit herrschen. Verständlich. Geld ist ja eine tief-sitzende Sache, über die sträflich wenig in der Schule gelehrt wird.
Uneinigkeit ist gut, wenn man sie sachlich durchdiskutiert. Vieles an der VGR wird sich erst zeigen, falls sie durchgeführt wird, nachdem sie durchgeführt wird. Doch eines ist heute schon ziemlich sicher: VGR kann nicht liefern, was sie nicht verspricht!

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Vielleicht ist es auch gut, an dieser Stelle zu erwähnen, wie sehr es die Diskussion erschwert, wenn Menschen sich nicht an das Format einer geregelten Debatte halten können, aus welchem Grund auch immer.

Das wird es immer geben – wohlgemerkt auf beiden Seiten!

Hier erfüllt die Vollgeld-Reform (wie so viele andere politische Themen) halt die Doppelfunktion, dass alle Teilnehmer Gelegenheit haben, sich in Debattier-Kunst zu üben.

…und die Zuhörer/Leser, sich im Bilden einer eigenen Meinung, bei welcher es übrigens immer hilft, wenn man Sachlichkeit von Emotionalität und illegitimer Themendurchmischung unterscheiden kann.

(updated 1.2.2014)

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2 Antworten zu Einfachheit

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